Ausflugsziele, Beelitz, Brandenburg, Deutschland, Lost Places

Lost Places – Ein Besuch der Beelitzer Heilstätten

Die Liegeterrassen der alten Chirurgie

[Unbezahlte Werbung*] Schon lange stehen die ehemaligen Heilstätten in Beelitz auf unserer „Gesehen haben“ – Liste. Lange Zeit nahmen wir allerdings an, dass sie der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich sind. Als jedoch immer mehr Fotos und Berichte der alten Ruinen auftauchten war klar: Da müssen wir hin! Und so kam es, dass wir an einem Samstag Morgen im August im Auto saßen und Richtung Beelitz fuhren…

Faszination Verlassene Orte

Neben dem Reisen und der Fotografie interessiere ich mich seit je her für Medizin. Und wo kann man all das besser miteinander verbinden als in der ehemaligen Lungenheilanstalt und den Sanatorien für Tuberkulosekranke in Beelitz? Eben. Außerdem üben verlassene Orte seit Jahren schon eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Ich wollte mich gern selbst davon überzeugen und dem „Warum“ auf den Grund gehen….

Das erste Gebäude nachdem wir das Gelände betreten haben

Das erste Gebäude nachdem wir das Gelände betreten haben

Karge Landschaft und Bauruine

Karge Landschaft und Bauruine

Eine Reise in die Vergangenheit

Wir schreiben das Jahr 1880 – die hygienischen Verhältnisse in Berlin sind alles andere als gut. Dort wo heute die teuersten Wohnungen der Stadt entstehen, in Mitte und dem Prenzlauer Berg, pferchen sich 10-20 Leute in eine kleine marode Hinterhauswohnung. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich Krankheiten und Seuchen explosionsartig ausbreiten. Da entscheidet sich die ehemalige Landesversicherungsanstalt von Berlin zwischen 1898 und 1902 für den Bau der Heilstätten. Die 600 Betten waren ausschließlich für die Genesung der unteren Arbeiterschicht vorgesehen. Strikt trennte man Frauen und Männer voneinander. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde daraus eines der größten Militärkrankenhäuser außerhalb der ehemaligen Sowjetunion. Und über 100 Jahre später gilt dieser Ort als einer der schönsten Lost Places Deutschlands.

1902 - der Eintritt in eine neue Welt

1902 – der Eintritt in eine neue Welt

Plane deinen Besuch in den Beelitzer Heilstätten

Wir informierten uns im Vorfeld unter Baum & Zeit Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten über die angebotenen Führungen. Derzeit werden drei verschiedene Touren sowie eine Familien Foto-Tour angeboten. Eigentlich klangen alle ziemlich interessant, aber zwei davon stachen für uns besonders hervor: Zeitenwandel – Wandelzeiten und die Führung durch die alte Chirurgie. Eine Stunde pro Tour ist vorgesehen. Tickets können im Vorfeld nicht erworben werden. Es gibt aber die Möglichkeit Gutscheine zum Verschenken zu bestellen.

Die Führungen

Unter der Woche findet jede Tour 1x mal statt, während an Wochenenden, Feiertagen und in den Brandenburger Ferien vier Termine pro Tag angekündigt sind. Wir entschieden uns gleich für die erste Führung um 11:15 Uhr und die Zweite um 13:15. Die Uhrzeiten sind gut getaktet, sodass man an einem Tag auch mehrere Führungen mitmachen kann.

Vor den Ticketschaltern befindet sich ein Sammelpunkt mit 3 verschiedenen Bereichen. Diese sind mittels Holzbalken voneinander getrennt. Jeder dieser Bereiche steht für eine Führung und damit man sich nicht aus Versehen der falschen Gruppe anschließt, erinnert eine kleine Tafel daran, wer wo zu warten hat.

Zeitenwandel-Wandelzeiten

Ein paar Minuten nach 11:15 Uhr stellte sich unser Guide vor. Ich habe leider seinen Namen vergessen, aber er war grandios! Mit viel Witz und Humor führte er uns über einen Teil des Geländes und erzählte Bekanntes aber auch sehr viel Neues. Eines seiner Lieblingsthemen: der Speiseplan von damals. Ich erinnere an dieser Stelle noch einmal daran, dass die Heilstätte ausschließlich den Arbeitern der unteren Schichten vorbehalten war. Sie kannten eine warme, vollwertige Mahlzeit bestenfalls an Feiertagen. Um es kurz zu machen: Es gab 5x am Tag Fleisch. Würzfleisch, Rindfleisch, Schweinefleisch – alle möglichen Variationen waren denkbar. Zum Nachtisch gab es meist fettige Milchspeisen. Man kann vom Glück reden, dass die Vegetarier- und Veganbewegung noch Jahre entfernt lag, sonst wären die Patienten wohl weniger an Krankheiten, sondern eher an Mangelernährung gestorben. Wenn man jedoch das Leben mit ihrem früheren Alltag verglich, lebten sie wortwörtlich wie die Made im Speck.

Und heute?

Einige Gebäude wurden bereits vollständig saniert und werden heute als Rehaeinrichtungen genutzt. Die heruntergekommenen Ruinen, die zurzeit besichtigt werden können, sollen auch weiterhin statisch instand gehalten werden. Für andere Teile des weitläufigen Areals gibt es bereits mehrere Pläne, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen. So planen Investoren  neben Wohnungen auch den Bau eines Hotels.

Die Ruinen des Alpenhauses

Die Ruinen des Alpenhauses

Der ehemalige Speisesaal

Der ehemalige Speisesaal

Der Baumkronenpfad über dem Alpenhaus

Der Baumkronenpfad über dem Alpenhaus

Verlassene Betten auf dem Gelände

Verlassene Betten auf dem Gelände

Noch vorhanden: die Eisengestelle für Liegekuren

Noch vorhanden: die Eisengestelle für Liegekuren

Weitere Gebäude, die uns während der Tour begegnen

Weitere Gebäude, die uns während der Tour begegnen

Führung durch die alte Chirurgie

Nicht ganz so cool wie der erste Guide, aber ebenfalls mit jeder Menge Wissen im Gepäck, stellte sich der Zweite bei uns vor. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir das Gebäude der ehemaligen Chirurgie. Der Trakt war vor allem für schwerkranke Patienten vorgesehen. Von außen macht das Gebäude schon ganz schön was her. Ein aufziehendes Gewitter verstärkte die gruselige Stimmung.

Wir betraten das baufällige Gebäude, setzten uns einen gelben Bauhelm auf und lauschten den Erzählungen. Dabei ließen mich vor allem die medizinischen Praktiken und der Opertionsstandard von damals schaudern. Zwischendurch wurden Bilder herumgereicht.

Die Ruine ist riesig und erstreckt sich über mehrere Etagen. Die Gänge sind voll von Schutt und Wände mit Graffiti bemalt. Der Guide berichtet von einem großen Vandalismus Problem. Wir gehen weiter in ehemalige Waschräume, sehen Ärzte– und Patientenzimmer. Wir bemerken unterschiedliche Fliesenfarben – orange für den Frauentrakt, blau für die Männer. Die Geschlechtertrennung wurde auch hier groß geschrieben. Unsere Tour endet in der Ankunftshalle.

Die Liegeterrassen der alten Chirurgie

Die Liegeterrassen der alten Chirurgie

Ein Teil des Chirurgiegebäudes von außen

Ein Teil des Chirurgiegebäudes von außen

Ehemaliges Patientenzimmer im Männertrakt

Ehemaliges Patientenzimmer im Männertrakt

Die langen Flure der alten Chirurgie

Die langen Flure der alten Chirurgie

Ehemalige Waschräume

Ehemalige Waschräume

Ehemaliges Medikamentenzimmer

Ehemaliges Medikamentenzimmer

Einer der vielen Operationssäle

Einer der vielen Operationssäle

Der runde Saal für Bäderkuren

Der runde Saal für Bäderkuren

Die Aufzüge der Eingangshalle

Die Aufzüge der Eingangshalle

Alte Fensterfronten

Alte Fensterfronten

Ein Nachmittag geht zu Ende

Nachdem wir uns nun das erste mal einen Lost Place angesehen haben, steht für uns fest: Wir kommen wieder und machen dann auch noch die letzte Führung Drei Gebäude – eine Führung mit.

Auf dem Gelände warteten noch zwei weitere Highlights auf uns: Der Barfusspark und der Baumkronenpfad, welcher sich direkt über die Heilstätten erstreckt. Für Ersteres war es leider zu kalt. Wir hatten tatsächlich den einzigen kühlen und regnerischen Sommertag in diesem Jahr erwischt. Mehr zu unserem Spaziergang über den Baumkronenpfad erfahrt ihr demnächst in einem neuen Beitrag!

Extra: Meine Geschenktipps

Es gibt mehrere Bildbände über die Heilstätten mit vielen tollen Fotos und einigen interessanten Berichten. Die besten findet ihr hier:

Wer die Fotos lieber direkt an der Wand hat, für den wäre ein Kalender sicher das Richtige. Der, meiner Meinung nach, schönste Kalender mit den besten Fotos, enthält Bilder aus verschiedenen Heilstätten:

Mein Fazit

Die Beelitzer Heilstätten gehören definitiv zu einem Ort, den man gesehen haben muss. Ich habe bisher nichts vergleichbares gesehen und fand den Vor- und Nachmittag schon sehr aufregend. Ich muss euch aber auch sagen, dass von dem Spuk und Gruselfaktor am Ende gar nicht mehr so viel übrig geblieben ist. Die Ruinen sind äußerst beliebt bei Obdachlosen und Teenagern, die ihre Langeweile bekämpfen wollen. Folglich gibt es viele Räume, die mit hässlichen Schriftzügen und Graffiti bemalt sind. Ich persönlich finde, dass Fotos tatsächlich mehr das Gefühl von Verlassenheit vermitteln als der Besuch vor Ort. Das mag aber auch daran liegen, dass bis zu 30 Menschen einer Gruppe beiwohnen und natürlich nicht nur ich fleißig Fotos für die Nachwelt festhalten möchte. Macht euch ein eigenes Bild! Wir werden wiederkommen.

Wie haben euch die Heilstätten gefallen? Welche Lost Places habt ihr bereits besucht? Erzählt mir davon: steffi@reiselustundfernweh.de

Dir gefällt was du liest? Dann sag es weiter und begleite mich auf meinen Reisen via InstagramFacebook oder Twitter. Oder speichere diesen Beitrag auf Pinterest!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* Dieser Beitrag enthält persönliche Empfehlungen, Verlinkungen zu externen Webseiten sowie Affiliate Links.

** Affiliate Links: Wenn du einem dieser Links folgst und das Produkt kaufst bzw. buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis erhöht sich dadurch für dich nicht. Meine Meinung bleibt davon unberührt. Ich empfehle euch grundsätzlich nur Dinge von denen ich überzeugt bin. Einnahmen wie diese helfen mir, meinen Blog und Social Media weiterhin kostenfrei für euch zu betreiben.