Europa, Prag, Tschechien

Prag – ein Kurztrip in die tschechische Hauptstadt

[Unbezahlte Werbung] Der folgende Beitrag enthält Empfehlungen und Verlinkungen zu bestimmten Sehenswürdigkeiten.

Prag – eine Stadt voller Geschichte, prachtvoller Architektur und wunderschöner Plätze. Bevor wir zum ersten Mal nach Prag reisten, hatte ich das Gefühl, dass so ziemlich jeder, außer mir, schon mindestens ein Mal in der tschechischen Hauptstadt zu Besuch war. Dennoch stand die Stadt nie auf meiner „Städte, die ich gesehen haben muss“ – Liste. Warum das so ist, kann ich gar nicht mehr genau sagen. In diesem Jahr habe ich die Stadt gleich zwei Mal besucht und würde jeder Zeit wieder kommen!

Als wir Prag das erste Mal besuchten, war ich schlichtweg überfordert. Viele Touristen, überfüllte Restaurants und hektisches Treiben ließen mich wenig zur Ruhe kommen. Um ehrlich zu sein: Ich war enttäuscht und froh nach 3 Tagen wieder zuhause zu sein. Ich hatte keine Möglichkeit die Stadt auf mich wirken zu lassen und war mir sicher, dass ich nicht noch ein mal wiederkommen würde.

Durch Zufall ergab sich einige Monate später erneut die Möglichkeit nach Prag zu reisen. Diesmal nahm ich mir vor der Stadt eine zweite Chance zu geben. Und was soll ich euch sagen? Es war wunderschön! Plötzlich habe ich eindrucksvolle Architektur bestaunt, ruhige Plätze fernab des Touristentrubels genossen und mir den Bauch mit deftigem tschechischen Essen kugelrund gefuttert.

Was ich sagen will: Prag braucht mehr als 2 Tage Kurztrip! Es gibt so unglaublich viel zu sehen, da reicht eine schnelle Sightseeing Tour einfach nicht aus! Nimm Dir Zeit für Prags Einzigartigkeit!

Meine Top 5 für ein verlängertes Wochenende in Prag
1. Malá Strana – Die Kleinseite und mein absolutes Lieblingsviertel
Die berühmten roten Ziegeldächer der Kleinseite

Die berühmten roten Ziegeldächer der Kleinseite

Dieses malerische Viertel befindet sich am Westufer der Moldau und wird über die Karlsbrücke mit der Altstadt Staré Město verbunden.

Während des Schlenderns auf den alten Pflasterstraßen fühlte ich mich wie in einer Filmkulisse eines mittelalterlichen Films. Die roten Ziegeldächer und kleinen Häuschen mit traditionellen Restaurants und gemütlich eingerichteten Cafés wirken märchenhaft verspielt. Die kleinen Gassen bieten eine gute Ablenkung vom touristischen Treiben auf der gegenüberliegenden Seite der Moldau.

Weitere Sehenswürdigkeiten auf der Kleinseite sind die Prager Burg, die St. Nikolauskirche, der Wallensteingarten, die John Lennon Gedächtnismauer und das Franz Kafka Museum.

Auf den Straßen der Kleinseite

Auf den Straßen der Kleinseite

2. Trdelník essen
Trdelník - die leckerste Süßigkeit Tschechiens

Trdelník – die leckerste Süßigkeit Tschechiens

Dieses leckere Hefeteiggebäck musst Du unbedingt probieren. Ursprünglich in der Slowakei erfunden, kannst Du es mittlerweile an fast jeder Ecke Prags bekommen. In Deutschland gibt es sie oft in der Weihnachtszeit auf unseren Weihnachtsmärkten zu kaufen.

Der Hefeteig wird auf Eisenstangen gerollt, mit Öl bestrichen und über offenes Feuer gelegt. Wenn die Rolle von außen knusprig goldbraun gebacken ist, wird sie mit  Zimt und Zucker bestreut. Zudem hast du die Möglichkeit die Innenseite mit den verschiedensten süßen Cremes bestreichen zu lassen – wie z.B. mit Karamell, weißer Schokolade oder Pistaziencreme. An einigen Ständen wird der Trdelník wie eine kleine Eistüte geformt und mit Eiscreme, Sahne und Früchten gefüllt.

Mein Favorit: Trdelník mit weißer Schokoladencreme in der Innenseite…nomnomnom…

3. Josefov – das jüdische viertel
Klausen Synagoge

Klausen Synagoge

Ein Viertel, das mich ebenfalls sehr beeindruckt hat, ist die Josephstadt im Nordwesten Prags. Dieser Teil birgt eine tausendjährige Geschichte und Architektur. Ich empfehle Dir in jedem Fall einen Rundgang durch die Synagogen. Mit dem Kombiticket für 500CZK kannst Du Dir alle 6 Synagogen nicht nur von außen, sondern auch von innen anschauen. Wer jetzt denkt: „Muss ich wirklich sechs Synagogen sehen?“, dem kann ich sagen: Ja, unbedingt! Jede Synagoge ist auf ihre Weise einzigartig und absolut sehenswert! Im Inneren lassen sich nicht nur Gebetsräume, sondern auch verschiedene Ausstellungen zum Judentum ansehen.

Wir begannen unseren Rundgang in der Pinkassynagoge aus de 16. Jahrhundert. Ihre kompletten Innenwände sind handschriftlich mit Namen ermordeter Juden beschrieben. Die Ausstellung zeigt Kinderzeichnungen und Briefe aus den Konzentrationslagern. Eine Sammlung, die mich zu Tränen rührte.

Ein Ausschnitt der Innenbeschriftung

Ein Ausschnitt der Innenbeschriftung

Unser zweiter Stopp führte uns in die Klausensynagoge. Sie ist die größte Synagoge Prags und beherbergt eine riesige Sammlung jüdischer Kultur. Angefangen bei der Geburt, über die Jugendweihe, Hochzeit, Scheidung und dem Begräbnis, werden die Traditionen und Bräuche ausführlich beschrieben und anhand ausgewählter Stücke aufgezeigt. Sehr interessant und wissenswert.

In direkter Nachbarschaft zur Klausensynagoge befindet sich der berühmte alte jüdische Friedhof. Die Anordnung der Gräber ist einzigartig. Bis zu 12 000 Gräber reihen hier an-, und übereinander.

Gräber auf dem alten jüdischen Friedhof

Gräber auf dem alten jüdischen Friedhof

Wir setzten unseren Rundgang in der Altneusynagoge fort. Gebaut wurde sie im 13. Jahrhundert im frühgotischen Stil und gilt als die älteste Synagoge Europas. Bis heute wird sie als Gebetshaus genutzt. Wie durch ein Wunder fiel sie nie einem Feuer zu Opfer, weshalb die kostbare Inneneinrichtung bis heute nahezu im Originalzustand erhalten blieb. Besonders eindrucksvoll sind die Bima (das Podium) für den Vorleser der Thora, der Thoraschrein und die bronzenen Kronleuchter an der Decke.

Die Rückseite der Altneusynagoge

Die Rückseite der Altneusynagoge

Von hier aus begaben wir uns zur Maiselsynagoge, ebenfalls im 16. Jahrhundert errichtet. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der rechtlichen und sozialen Stellung der Juden im Mittelalter.

Die Maiselsynagoge von außen

Die Maiselsynagoge von außen

Den letzten Stopp unseres Rundganges widmeten wir der Spanischen Synagoge. Ihre maurische Architektur und die farbenfrohen Wände haben mich am meisten beeindruckt. Die Ausstellung in der oberen Etage schließt an die Exposition der Maiselsynagoge an und zeigt die Geschichte der Juden des 19. und 20. Jahrhunderts.

Innenansicht der Spanischen Synagoge

Innenansicht der Spanischen Synagoge

4. Staré Město – die Altstadt
In der Prager Altstadt

In der Prager Altstadt

Die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit in Staré Město ist die Karlsbrücke, auf der tagtäglich hunderte Besucher entlang spazieren. Ich habe gelesen, dass die Brücke bei Sonnenaufgang so gut wie menschenleer sein soll. Solltet ihr aber keine Lust auf frühes Aufstehen haben, müsst ihr euch auf  Menschengedränge, klickende Fotoapparate und Schneckentempo einstellen.

Ein Blick auf die Karlsbrücke und die dahinter liegende Altstadt

Ein Blick auf die Karlsbrücke und die dahinter liegende Altstadt

Liebhaber klassischer Musik dürfen auf keinen Fall das Rudolfinum versäumen. Das Gebäude wurde im Neorenaissance Stil erbaut und gehört zur tschechischen Philharmonie. Hier finden regelmäßig klassische Konzerte statt.

Vor dem Rudolfinum

Vor dem Rudolfinum

Selbstverständlich gehört zu einer Altstadt auch der historische Stadtkern – der Altstädter Ring – mit vielen weiteren Sehenswürdigkeiten, Shoppingmöglichkeiten, Restaurants, Bars und Cafés. So befinden sich südwestlich am Altstädter Ring das Altstädter Rathaus und die berühmte astronomische Uhr aus dem Jahre 1410.

Das Altstädter Rathaus

Das Altstädter Rathaus

Insbesondere an den Wochenenden kann es in der Altstadt sehr voll werden. Allerdings findet man hier auch die meisten Trdelník Bäckereien. Aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten und Leckereien solltest Du Dir Staré Město also auf keinen Fall entgehen lassen.

Blick auf die Moldau und dahinter die Prager Altstadt

Blick auf die Moldau und dahinter die Prager Altstadt

5. die schönste Aussicht Prags – der Vyšehrad
Ausblick auf die Moldau

Ausblick auf die Moldau

Etwas fernab vom touristischen Treiben, genauer gesagt im vierten Bezirk, befindet sich der Vyšehrad. Dabei handelt es sich um einen Burgwall aus dem frühen Mittelalter. Von hier oben hat man rundherum einen wunderschönen Blick auf die gesamte Stadt. Auf dem Gelände befinden sich die St.Peter-und-Paul-Kirche, der Vyšehrader Friedhof und viele weitere kleine Gebäude und Kirchen. Ein perfekter Ort für ausgedehnte Spaziergänge.

So erreichst Du Vyšehrad: Die rote Metrolinie C hält direkt am U-Bahnhof Vyšehrad. Von hier aus sind es zum Eingang der Anlage nur wenige Meter zu Fuß.

Der Festungseingang

Der Festungseingang

Die neue Propstei

Die neue Propstei

Seitentür der St. Peter-und-Paul-Kirche

Seitentür der St.Peter-und-Paul-Kirche

Die St.Martins Rotunde

Die St.Martins Rotunde

Mein Fazit: In Prag kommt jeder auf seine Kosten, der sich sowohl für Kultur und Architektur interessiert als auch Gefallen an deftigem Essen, Bier und süßen Leckereien findet. Entgegen der Aussagen Prag sei unglaublich günstig, muss ich sagen, dass ich die Stadt als normalpreisig empfand. Es gibt hier und da günstige und gute Restaurants und Bars  – wie in jeder Stadt (vor allem fernab der Touristenattraktionen).  Überwiegend entsprechen die Preise aber denen in Deutschland. Wenn Du einen ruhigen und entspannten Städtetrip planst, solltest Du vielleicht nochmal überlegen, ob Prag wirklich die beste Wahl ist. Vor allem an den Wochenenden kann es hier sehr voll werden. Dennoch: Die Mischung der verschiedenen Baustile macht Prag unverwechselbar.

Was hat Dich in Prag am meisten beeindruckt? Erzähle mir von Deinen Highlights und schreibe mir: steffi@reiselustundfernweh.de